Hurra wir leben noch!

Sie sind auf der Suche nach einem geeigneten Bestatter? Nach einem Bestatter für sich selbst. Hurra, Sie leben noch, aber der Tod gehört Ihrer Meinung nach dazu. Und Ihren Kindern möchten Sie die Angelegenheit nicht überlassen. Die haben sowieso keine Zeit. Sie schauen immer nur aufs Handy, wie man früher auf die Armbanduhr geschaut hat. Zeit ist eine Mangelware. Sie entscheiden lieber selbst, statt sich aufzuregen.

Wenn Sie durch Ihr Berlin gehen, dann erinnern Sie sich. An dieser Ecke haben stand früher ein anderes Haus. An diesem Platz haben Sie vor zig Jahren auf Ihren lieben Partner gewartet – mit Herzflattern und aufgeregt. Die Erinnerung ist noch so wach, als wäre es gestern gewesen. Unvorstellbar, dass diese Erinnerung irgendwann verschwindet, wie der Partner, der vor ein paar Jahren gestorben ist. Jetzt ist alles noch so lebendig, auch wenn der Körper, die Verpackung Ihrer Existenz, nicht mehr so mitspielt, der Geist ist noch wach.

Diese und andere Gedanken flirren durch Ihren Kopf und geben Ihnen immer wieder zu denken. Nutzen Sie die Zeit, so lange Sie noch können. Erledigen Sie wichtige Entscheidungen im Jetzt und wenden sich dann dem Leben zu, wie es eben geht. Denn es geht. Es geht weiter, es geht vorbei, es vergeht. Und irgendwann sind auch Sie dran. Wir werden Sie nicht vergessen. Sorgen Sie mit ein paar Notizen dafür, dass bei er letzten Abschiednahme Ihnen Wichtiges vorgetragen wird. Vielleicht wird durch Ihre wertvollen Gedanken ein anderer Mensch geimpft. Vielleicht trägt er oder sie den Gedanken fort und sorgt für ein wenig Unsterblichkeit.

Sie standen alle am Bett

Bevor meine Oma gestorben ist, wurde sie von Wahnvorstellungen heimgesucht. Das Wort Wahnvorstellung ist nicht schön, aber sie empfand den Zustand auch nicht als schön. Da standen plötzlich alle möglichen Leute um ihr Bett herum. Darunter ihr Vater und ihre Mutter und auch eine ganze Menge Personen, die sie gar nicht kannte. Noch wusste sie, dass es sich um Tagträume oder Halluzinationen handelte. Später ging dieser Zustand in ihr Verständnis von Realität über und ließ sich nicht mehr abstellen.

Sind solche Halluzinationen ein Zeichen für den nahen Tod? Einige Menschen sehen darin den Versuch von Verstorbenen, Kontakt mit ihren noch auf der Erde weilenden Verwandeten aufzunehmen. Andere, dazu gehören vor allem Mediziner, sehen darin nur einen Zustand, der durch Stress oder Krankheit oder beides hervorgerufen wird.

In jeder Familie gibt es diese Erzählungen. Bekannt ist ja aus medizinischer Sicht, dass das Gehirn selbst in der Lage ist, Drogen ähnliche Stoffe herzustellen, um große Schmerzen seelischer und körperlicher Art zu deckeln. Auch im Rausch schließlich erscheinen uns Dinge zwischen Himmel und Erde und wir halten sie für ganz plausibel.

Woher rühren Halluzinationen?

Austrocknung: Im Alter lässt das Bedürfnis nach, etwas zu trinken. Viele Menschen müssen sich regelrecht dazu zwingen. Zu wenig Wasseraufnahme ist nicht förderlich für die Gesundheit und kann auch zu Halluzinationen führen.

Tinnitus: Das Klingeln im Ohr kann auf Dauer vom Zentralhirn umgedeutet werden und man fängt an, Stimmen zu hören.

Hohes Fieber: Bei hohem Fieber träumen wir oft besonders extrem. Die Träume können auch am Tage auftreten.

Demenz: Mit einer Beeinträchtigung des Gehirns nehmen auch die Halluzinationen zu.

Medikamentenmissbrauch: Viele ältere Menschen nehmen ihre Medikamente nicht konsequent oder durcheinander ein. Die daraus resultierenden Vergiftungszustände können zu einem Rausch führen.

Schlaganfall: Ein Hirnschlag kann das Nervensystem schädigen und ebenfalls zu Halluzinationen führen.

Wenn Sie selbst an Halluzinationen leiden und diese Zeilen hier lesen, dann müssen Sie sich nicht allzu viele Sorgen machen, dass Sie gleich verrückt werden. Ihr Denkapparat hatte nur ein paar Aussetzer und Sie sollten sich vielleicht mal von Ihrem Arzt durchchecken lassen.

Ist einer Ihrer Angehörigen betroffen, sollte man zuerst klären, woher die Halluzinationen herrühren. Meist ist das am naheliegendste der Auslöser. Oder eine Kombination aus mehreren Faktoren: Jemand hat gerade seinen Partner verloren und dabei seine tägliche Trinkroutine vergessen, sprich eine Dehydrierung provoziert.

Ein Tagtraum, in dem man auf die Toten trifft, muss nicht gleich ein Zeichen aus dem Jenseits sein. Feststeht allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit, an Halluzinationen zu leiden, in der letzten Lebensphase zunimmt.

Das richtige Lied zum Abschied

Ja, ich habe in einem Trauergottesdienst auch schon erlebt, dass der Herr Pfarrer genervt zur Orgelempore hochschaute. Dort blieb das Instrument aber stumm und stattdessen quäkte Queen aus einem transportablen CD-Spieler und schallte Rock&Roll durchs Kirchenschiff.

Welche Musik zur Trauerfeier ist angesagt? Oft wird noch auf Tradition gesetzt, die Kirche ist ja keine Disco. Aber warum eigentlich nicht? Das letzte Mal läuft das Lieblingslied des Verstorbenen. Welches ist das richtige? Auf den Pfarrer sollte man dabei nicht Rücksicht nehmen. Denken Sie an Ihren Angehörigen, für den Sie das letzte Mal den DJ spielen. Es muss nicht Orgelmusik sein. Es kann auch mehr sein, nicht nur ein Song, drei sind schon möglich. Aber dann sollte es auch genug sein.
Lieder können viel mehr Emotionen transportieren als eine Trauerrede. Jeder im Raum hat seine Erinnerungen parat, wenn eine bestimmte Melodie erklingt. Es gibt eine Art Hitparade der Totenlieder. Dazu gibt es viel im Internet zu finden. Und tatsächlich läuft oft Sinatra, “I did it my way”. In den Rankings tauchend Klassiker, deutsche Hits und auch Fremdsprachiges auf. Häufig können wir als Bestatter auch bei der Auswahl helfen. Besser ist es aber, wenn die Angehörigen uns Tipps geben können, welche Musik aufgespielt werden soll. Wenn Zeit und Muße herrschen, wird auch Live Musik geboten. Ein Akkordeon, eine Geige. Jemand singt. Musik trägt Botschaften und die Abschiednahme erreicht die Herzen der Anwesenden besser.

Das richtige Lied …

Fazit: Das “richtige” Lied zum Abschied gibt es nicht, genauso wenig wie es den richtigen Musikgeschmack gibt. Lassen Sie sich bei der Wahl der Songs nicht von Stilfragen beeinflussen. Gut ist auch, noch zu Lebzeiten abzufragen, welches Lied sich denn der Angehörige wünschen würde, wenn er einmal nicht mehr ist.  Da können Sie auch so manche Überraschung erleben: Meine Oma z.B. liebte zu Lebzeiten deutsche Schlager, Karel Gott, Vicki Leandros, Bernd Clüver, aber zur Beerdigung wünschte sie sich einen Hit der Rolling Stones.

Die Frau auf dem Balkon

Ich habe sie länger nicht gesehen, die alte Dame vom Balkon gegenüber. Die Menschen in seiner Nachbarschaft begegnen einem immer wieder in geordneter oder chaotischer Regelmäßigkeit. Der eine läuft wie ein Uhrwerk jeden Morgen zur selben Zeit an meinem Fenster vorbei und schiebt seine Gehhilfe energisch vor sich hin, eine andere rollt mit ihrem Rollator gemächlich immer in der Mittagszeit zu einem nahen Supermarkt und bleibt kurz vor meinem Fenster zum Verschnaufen stehen. Gegenüber meines Zuhauses ist ein Seniorenwohnheim. Kein Altersheim, es sind Ein bis Zwei-Zimmer-Wohnungen, die Menschen über 60 anmieten können. Hier können sie selbstbestimmt ihren letzten Lebensabschnitt verbringen. Alle haben einen kleinen Balkon zur Straße und die aktiveren nimmt man wahr, wenn sie auf dem Balkon stehen und sich um ein paar Balkonblümchen kümmern. Der nicht so aktiven wird man gewahr, wenn durch die  Vorhänge das Licht ihrer großen Fernsehr flimmert.

Die besagte Dame von gegenüber stand immer auf dem Balkon und schaute sehnsüchtig in die Straße, mehr in die Ferne, in eine nur ihr bekannte Heimat. Manchmal habe ich sie auch unterwegs auf einer Bank sitzen sehen. Ich  habe sie immer gleich erkannt an ihrem Lockenmop auf dem Kopf. Mich schien sie nicht zu erkennen, ihr Blick ging immer durch mich hindurch. Sie sprach auch nicht unsere Sprache, nur gebrochen. Sie kam wohl aus Bulgarien und war im Alter ganz ohne Angehörige. Ich habe sie immer nur allein gesehen. Ein paar Jahre lang. Jetzt habe ich gestern nach drüben geblickt und mit Schrecken festgestellt, dass die Vorhänge weg sind und auch der Balkonkasten. Sie ist von uns gegangen, die Dame auf dem Balkon. Wieder ist ein Appartment in dem Seniorenhaus frei geworden. Endstation Sehnsucht.

Die Toten von 2018

In unseren Gedanken leben sie weiter, die Angehörigen die wir gestern, vor einem Jahr oder vor einer Ewigkeit verloren haben. Über manche Menschen wird noch dann gesprochen, wenn auch die Zeitzeugen ihres Wirkens verstorben sind. Wir orientieren uns gerne an Vorbildern, das können Menschen aus der Wissenschaft, dem Kultur- und Sportleben sein, Schauspieler, Helden. Die Medien versorgen uns täglich mit neuem Futter, wer mit wem, wer gegangen, wer krank, verliebt, oder sonst was ist. Manchmal berauschen wir Älteren uns an der Nachricht, dass einer aus unseren Reihen von uns gegangen ist. Ihn hat der Krebs geholt, wir leben noch. Mit bekannten Gesichtern aus der bunten Medienwelt schaffen wir uns einen Familienersatz, vielleicht sogar einen für die Götter. Die Griechen hatten ihre Götterfamilie und mit ihr jede Menge Spaß und jede Menge endlose Geschichten.

Wenn man älter wird, werden die Götter älter und sie sind nur auf der Leinwand, in der Glotze, auf dem Computermonitor oder Handydisplay unsterblich. Dazu gehört auch der schwedische Unternehmer Ingvar Feodor Kamprad, der im Januar 2018 mit 91 verstarb. Kein Medienstar, sein Gesicht den wenigstens bekannt. Aber sein “Kind” IKEA – in Berlin mittlerweile 3 mal vertreten – ist jedem vertraut. Ein Massenphänomen. Als ich 1989 noch mit dem Bus nach Spandau fuhr und mir stolz mein erstes Ivar-Regal für meine erste Bude in Kreuzberg kaufte, war das ein Erlebnis.

Eine Stimme, die letztes Jahr für immer verstummt ist, wenn man von ihrer enormen Präsenz im Fernsehen absieht, gehörte Wolfgang Völz. Der gebürtige Danziger und allen Jüngeren als die Stimme von Käptain Blaubär bekannte Schauspieler und Synchronsprecher aus Berlin, starb 2018 im Alter von 87 Jahren. Die Älteren von uns kennen ihn aus Raumpatroille Orion und den Wallace-Krimis. Völz ist ein gutes Beispiel für einen Menschen, der allein durch seine Stimme prägend für viele von uns war. Seine Asche wurde im Juni 2018 im Kolumbarium des Friedhofs Wilmersdorf beigesetzt. Seine Stimme wird uns noch lange im Ohr bleiben.

Auf Venyl wird ihre Stimme nie verstummen, aber im echten Leben verstarb Montserrat Caballé im Oktober 2018. Sie wäre 86 geworden. Sie galt als eine der letzten Diven der Opernwelt und wurde in ihrer 55jährigen Bühnenkarriere auch außerhalb der Klassik bekannt, als sie zusammen mit Freddie Mercury ein Duett hinlegte. Manchmal legt mein Nachbar diese Platte auf, vor allem in der Nacht, vor allem wenn es Sommer ist und er verliebt. Dann tönt es bei offenem Fenster über die ganze Straße: Barcelona.

Ich weiß nicht, wer hier den Namen von Lys Assia, alias
Rosa Mina Schärer, kennt. Die Schweizer Schlagersängerin und Entertainerin kenne ich nur deswegen, weil meine Oma in meiner Kindheit immer eines ihrer Lieder trällerte. Das es von Lys Assia stammte, habe ich heute durch meine Internetrecherche gelernt. Vielleicht kennen Sie Ihren Hit, „Weiße Hochzeitskutsche“ von 1946. Mit „O mein Papa“ (1950) wurde sie jedenfalls international bekannt und hat dadurch hier ihren Ehrenplatz bekommen.

Verstummte Stimmen

Schreiben Sie uns, welche Stars Sie vermissen und an wen Sie gerne denken. info@harold-bestattungen.de Stichpunkt: “Verstummte Stimmen”


Worte des Trostes

Trost, so lautet die Definition,  ist die zwischenmenschliche Zuwendung an jemanden, der trauert, seelischen oder körperlichen Schmerz zu ertragen hat.  Trost kann man durch Worte, Gesten und Berührung ausdrücken. Der Schmerz und die Traurigkeit des Getrösteten sollen gelindert werden; er soll spüren, dass er nicht allein gelassen ist; seine seelische Verfassung soll gestärkt werden. Das Wort Trost selbst entstand im Althochdeutschen im 8. Jahrhundert und hängt wortgeschichtlich mit dem indogermanischen Wortstamm treu zusammen. Es bedeutet Festigkeit, auch seelischer Halt, Zuversicht und Ermutigung im Leid. „Worte des Trostes“ weiterlesen

Gegen den Tod schreiben

Kann man den gegen den Tod schreiben? Wenn man einen lieben Menschen verloren hat, der einen viele Jahre seines Lebens begleitete, dann ist das einfach nur furchtbar schmerzhaft. Ratschläge bekommt man ohne Ende von den anderen Hinterbliebenen, wenn man sein Leid klagt. Manche können es bald nicht mehr hören und wenden sich ab. Der Trauernde bleibt noch einsamer zurück.

Schreiben Sie sich frei!

In Kinder- oder Jugendtagen hat man vielleicht ein Tagebuch gepflegt, dem man seine innersten Gedanken anvertraute. Das Papier war geduldig, man war sich selbst der beste Zuhörer. So ein Buch ist auch in Krisenzeiten gut, nicht nur im Todesfall, auch wenn man sich vom Partner trennt, wenn die Liebe stirbt. Der Mensch ist noch da, aber er hat sich bis zur Unkenntlichkeit geändert. Der Tod ist endgültiger. Es gibt keine Hoffnung, wieder mit dem Menschen in dieser Welt zusammen zu kommen, sich auszusprechen oder auszusöhnen, falls in den letzten Tagen oder auch Jahren böse Worte gefallen sind, tiefe Verletzungen erlitten wurden. Der Tod ist ein Schlußpunkt. In Gedanken lebt der andere noch weiter. In Gedanken werden noch Gespräche geführt. Der Wunsch nach Austausch mit dem Verstorbenen kann groß werden, die Gedanken können sich verwirren, können unerträglich werden. Das zu Papier zu bringen kann helfen und den Schmerz abmildern. Nehmen Sie sich ein ansprechendes Notizbuch, suchen Sie Ihren geliebten Füller oder einen Lieblingsstift, den Sie schon lange nicht mehr benutzt haben.

Schreiben hilft gegen die Ohnmacht der Trauer.

Kramen Sie ihn hervor, setzen Sie sich auf einen gemütlichen Stuhl, an einen geliebten Platz und fangen Sie an Ihre Gedanken zu ordnen. Schreiben hilft! Schnell füllen sich die Seiten mit Buchstaben, Wörtern, Sätzen. Es sprudelt nur so aus Ihnen heraus und Sie haben das Gefühl, etwas geleistet zu haben, einen Schritt weiter zu sein, etwas abgearbeitet zu haben. Das tut gut. Sie können sich noch gut tun. Das ist eine gute Erkenntnis. Denn letztendlich können Sie sich helfen lassen, aber Ihre Seelenpein können Sie nur selbst erleichtern. Sie entscheiden letztendlich, was jetzt aus Ihrem Leben wird. Nach dem Verlust des so wichtigen Mitmenschen. Nach Ihrer Krise. Die Trauer steht Ihnen zu. Aber das Leben ist noch nicht vorbei. Gegen den Tod kommen Sie nicht an, aber schreiben können Sie gegen ihn. Schreiben Sie über die vergangenen Kapitel Ihres Daseins und beginnen Sie ein neues.