Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte haben zahlreiche bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die denkmalgeschützte Anlage befindet sich zwischen Chausseestraße und Hannoversche Straße und wird von der Evangelischen Kirche verwaltet. Erdbestattungen sind nur für Gemeindemitglieder möglich, Urnengräber dagegen können von jedermann erworben werden. Die genaue Adresse lautet Chausseestraße 126, Berlin-Mitte. Sie ist gut mit dem Nahverkehr über die U-Bahnstation Naturkundemuseum der Linie 6 zu erreichen. Es sind von dort aus nur 300 m an der Chausseestraße in Richtung Süden. Der Friedhof ist täglich von 8.00 Uhr an bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet.

Egon Bahr

Der 2015 verstorbene SPD-Politiker (1922-2015) wurde auf diesem Friedhof bestattet. Zusammen mit Willy Brandt entwickelte er nach dem Mauerbau 1961 eine neue Ostpolitik, die einen „Wandel durch Annäherung” erreichen sollte. Er war unter anderem Sprecher des Berliner Senats und Bundesminister für besondere Aufgaben. Er war maßgeblich am Zustandekommen des Viermächteabkommens für Berlin sowie des Grundlagenvertrags mit der DDR und der Ostverträge beteiligt.
Egon Bahr wurde 2002 zum Ehrenbürger Berlins ernannt. Der Senat würdigt damit Persönlichkeiten. die sich in hervorragender Weise um die Stadt verdient gemacht haben. Bisher wurden 118 Personen auf diese Weise geehrt. Sollten Ehrenbürger bedürftig werden, steht ihnen eine Versorgung zu. Außerdem bekommen sie kostenlos eine BVG-Jahreskarte. Das Land Berlin übernimmt zudem die Kosten für ein Ehrengrab auf einem der Berliner Friedhöfe. Dadurch bleiben Gräber von Ehrenbürgern auch länger der Nachwelt erhalten.

Der rote Ziegelstein

Bürger, die sich um die Stadt verdient gemacht haben, können nach ihrem Tod durch ein sogenanntes Ehrengrab gewürdigt werden. Bei Ehrenbürgern wie Egon Bahr geschieht dies automatisch. Bei allen anderen muss die Anerkennung als Ehrengrabstätte beim Berliner Senat beantragt werden und kann frühestens fünf Jahre nach dem Tod des Betreffenden erfolgen. Derzeit gibt es in Berlin an die 700 Ehrengräber.  Ehrengräber werden durch einen roten Ziegelstein mit der Aufschrift Ehrengrab Land Berlin gekennzeichnet. In der Regel gilt die Anerkennung für 20 Jahre. Sie kann verlängert werden. Das zuständige Bezirksamt übernimmt die Kosten für die Grabpflege, die Instandhaltung der Ehrengrabstätte und des Grabmals.

Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof finden sich Gräber von Prominenten aus vier Jahrhunderten, darunter Künstler, Politiker, Intellektuelle und Unternehmer. Dabei war der Friedhof zunächst eher ein Ort, an dem einfache Berliner bestattet wurden. Gegründet wurde er 1762 damals noch außerhalb der Stadtgrenzen, vor dem Oranienburger Tor, benannt wurde er nach Kurfürstin Dorothea. Bald verleibte sich die rasch wachsende Stadt den Friedhof ein. Und weil die Akademie der Künste, die Universität und Charité in der Nähe lagen, wurden dort immer mehr bekannte Persönlichkeiten beerdigt. Dabei ist der Friedhof, der seit 1983 unter Denkmalschutz steht und direkt an den Französischen Friedhof anschließt, erstaunlich klein. Der Haupteingang befindet sich neben dem Brecht-Haus in der Chausseestraße 125, der Hauptweg endet nach wenigen hundert Metern an einer Mauer, dahinter liegt die Mensa der Humboldt-Universität. Nicht weit vom Hauptweg entfernt befinden sich die efeubewachsenen Ehrengräber der Philosophen Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel, vergleichsweise schlicht mit einem Obelisken und einem grauen Grabstein geschmückt. Viele Gräber haben gusseiserne Kreuze oder Gittereinfriedungen, wie das von Ernst Litfaß, dem Erfinder der berühmten Werbesäule. Er selbst hat ein schlichtes Grab. Säulen, Stelen oder auch Baldachine zieren dagegen viele der imposanten Familiengrabstätten im klassizistischen Stil. Wie das Grab des Industriellen August Borsig, der bevor das Werk nach Tegel verlegt wurde, an der Chausseestraße die erste Fabrik baute – damals auch noch vor den Toren der Stadt. Das für die Verwaltung bestimmte Borsighaus steht noch heute in der Chausseestraße 13.

Auch Preußens herausragende Baumeister Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler haben auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof ihre Ehrengräber. Schinkels Grab ziert eine Steinstele mit Porträtmedaillon. Stülers Baldachingrab wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, stattdessen überspannt nun eine auffällige schwarz-goldene Eisenkonstruktion das Grab mit Büste. Jüngere Gräber sind dagegen oft erstaunlich schlicht, egal wie prominent die Verstorbenen waren. Zwei Feldsteine erinnern an Berthold Brecht und Helene Weigel. Hanns Eislers Gedenkstein sieht aus wie ein Beton-Quader am Straßenrand. Das Grab des Dramatikers Heiner Müller könnte man glatt übersehen, mit der schmale Stelen und der eingeritzten Schrift. Und auch auf Bärbel Bohleys Grab ist der Name der Bürgerrechtlerin kaum zu lesen.
Zitate von Verstorbenen stehen auf einigen Grabsteinen. Ob pathetisch klingende Worte, wie im Fall von Johannes R. Becher, der die Nationalhyme der DDR verfasste: „Vollendung träumend, hab ich mich vollendet” oder Fritz Teufels wohl bekannteste Ausspruch des Polit-Rebellen: „Wenn’s der Wahrheitsfindung dient.” Bei Herbert Marcuse, einem der wichtigste Intellektuellen der 68er-Bewegung, geht’s recht knapp zu: „Weitermachen”, steht da zu lesen. Ein großes Stahlkreuz markiert die bereits 1950 geschaffene Gedenkstätte für die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944: Klaus Bonhoeffer, Hans John, Richard Kuenzer, Hans Ludwig Sierks, Karl Adolf Marks, Wilhelm zur Nieden, Friedrich Justus Perels und Rüdiger Schleicher, die wegen ihrer Beteiligung am Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 inhaftiert und in der Nacht vom 22. zum 23. April 1945 von einem SS-Kommando erschossen wurden.
Der auf einem Sockel liegende Steinquader, mit einem von Fritz Kühn gefertigten schlichten Kreuz aus Walzstahlprofilen, erinnert zugleich auch an drei Persönlichkeiten des Widerstandes, die hier nicht beigesetzt wurden und deren Gräber für immer unbekannt geblieben sind: Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), Justus Delbrück (1902-1945) und Hans von Dohnanyi (1902-1945). Die Nazis haben die Asche an unbekanntem Ort verstreut.

2004 wurde Günter Gaus, Ständiger Vertreter der BRD in der DDR, auf dem Friedhof bestattet. Damals würdigten Egon Bahr und Johannes Rau seine Verdienste. Als Rau zwei Jahre später starb, fand er ebenfalls hier seine letzte Ruhestätte. 2013 wurden hier der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf, der Kulturwissenschaftler und Politiker Lothar Bisky und der Schauspieler Otto Sander beerdigt.