In meiner Laufbahn als Bestatter gibt es auch imer wieder skurile oder bewegende Momente. Da ist ist es wichtig, die Fassung zu bewahren und erst einmal nur zuzuhören und nicht gleich zu bewerten. Lesen Sie selbst.

Wo sind Sie?

Ich bekam einen Anruf von einer Berlinerin, die mich direkt fragte, wo ich denn sei. Ich sagte wahrheitsgemäß auf einer Beerdigung. Sie fragte, ob sie trotzdem mit mir sprechen könnte, es sei wichtig. Sie könne aber auch in einer halben Stunde wieder anrufen, sie habe gleich einen Friseurtermin. Sie stünde gerade vor meinem Laden. Ich bat sie in einer halben Stunde wieder anzurufen, was sie auch tat. Ich befand mir derweil auf der Rückreise von meiner letzten Beerdigungsfeier und hatte Zeit. Wir plauderten, sie erzählte von ihrer neuen Frisur und das sie morgen am Samstag in den Urlaub fahren wollte. Langsam wurde sie warm und erzählte mir, dass man vor einer Reise auch vieles erledigen müsse. Versprochen sei verprochen. Warum sie mich angerufen hatte, war mir zu diesem Zeitpunkt noch schleierhaft. Vielleicht brauchte sie einfach ein Ohr, war einsam? Ich dachte schon, dass Gespräch fände ein Ende, als sie mich unvermittelt fragte: “Wie lange darf man denn einen Toten zuhause aufbewahren?”

Wohin mit ihm?

Da war ich doch etwas verdutzt und wusste erst einmal nichts zu erwidern. “Naja, ich will ja für 2 Wochen in Urlaub fahren und weiß jetzt nicht so recht, wohin mit ihm,” ergänzte sie. Nun dämmerte es mir langsam, sie hatte schließlich einen Bestatter angerufen und nicht ihren Friseur. Ich sagte, dass ich ihr nicht raten könnte, einen Leichnam 2 Wochen zuhause liegen zu lassen. Sie meinte, es sei ja nicht ihr zuhause. Ich stand immer noch auf dem Schlauch. Da half sie mir auf die Sprünge: “Mein Mann und ich leben getrennt, ich habe seit Tagen nichts von ihm gehört, da habe ich vor meinem Urlaub noch mal bei ihm vorbeigeschaut. Schlüssel habe ich ja. Er ist tot.”

Ich drückte mein Beileid aus. “Müssen Sie nicht, der Alte konnte ein ziemliches … sein. Aber ich hab´s ihm versprochen, ihn unter die Erde zu bringen, aber meine Urlaub wollte ich jetzt nicht deswegen ruinieren.”

Versprochen ist versprochen

Die beiden lebten schon sehr lange nicht mehr zusammen, erzählte sie mir weiter und als ich dann im Büro ankam, stand sie immer noch vor der Tür und plauderte ins Handy. Wir haben dann beschlossen, dass wir ihren verstorbenen Ehemann heute noch aus seiner Wohnung abholen und uns so lange um ihn kümmern, bis sie aus dem Urlaub zurückkehrt. Die Beerdigung könnten wir dann in Ruhe planen. Da war sie erleichtert und trat am nächsten Tag ihren Urlaub an. Sie hat mir sogar eine Postkarte aus dem Urlaub geschickt. Das hätte sie mir versprochen, stand drauf. Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen. Die Dame hatte Prinzipien und ließ sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen.